Wiesbaden, 29. Juni 2020 –Vergangenen Samstag fand die dritte Auktion zum Sammelgebiet Altdeutsche Staaten der Briefmarkensammlung des ehemaligen Tengelmann-Chefs Erivan Haub statt

Sie gilt als eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen der vergangenen hundert Jahre. 316 berühmte Briefmarken und Briefe haben stolze neue Besitzer gefunden. Höhepunkte der Auktion am 27. Juni: Das Stockach-Provisorium aus Baden kam für 300.000 Euro (Startgebot: 100.000 Euro) unter den Hammer. Ein Bogenteil mit Bayerns Schwarzem Einser wechselte für 260.000 Euro den Besitzer (Startgebot: 100.000 Euro). Ein Helgoland-Brief aus der britischen Kolonialzeit erzielte 100.000 Euro (Startgebot: 30.000 Euro) und ein Preußen-Brief mit halbierter Briefmarke 130.000 Euro (Startgebot: 50.000 Euro). Ausgerichtet wurde die Versteigerung vom ältesten Briefmarkenauktionshaus Deutschlands, dem Auktionshaus Heinrich Köhler in Wiesbaden.

Die versteigerten Briefmarken und Briefe erzielten insgesamt mehr als 2,5 Millionen Euro. Extreme Aufsteigerungen und intensive Bieterkämpfe waren bei der außergewöhnlichen Auktion an der Tagesordnung. So steigerten eingefleischte Sammler einen Brief aus Württemberg mit seltenem Mühlradstempel auf 110.000 Euro bei einem Startgebot von 10.000 Euro. Zuletzt wurde der Brief 1988 bei einer Auktion für umgerechnet circa 29.000 Euro erworben. Die Sammlung ERIVAN hat eine bis heute andauernde Dynamik in der philatelistischen Welt ausgelöst. Das war am Samstag in Wiesbaden deutlich spürbar.

„Das Interesse an der dritten Auktion der Altdeutschland-Philatelie und die Ergebnisse haben uns geradezu überwältigt. Bei allen Sammelgebieten von Baden bis Württemberg war die Motivation riesig. Fünf Briefe und Briefmarken wurden bis in den sechsstelligen Bereich gesteigert“, sagt Dieter Michelson, geschäftsführender Gesellschafter des Auktionshauses Heinrich Köhler. „Über 1.200 verschiedene Sammler und Händler aus der ganzen Welt haben mitgeboten. Sie beteiligten sich im Saal, am Telefon oder online.“

Die Highlights im Detail:
• Das Stockach-Provisorium gehörte zu den begehrtesten philatelistischen Stücken der Auktion. Der Wert ergibt sich aus einem Makel: Die 3-Kreuzer-Briefmarke ist versehentlich ohne Zähnung statt mit Zähnung an das Postamt in Stockach/Baden ausgeliefert worden. Bei der letzten Versteigerung des Stücks im Jahr 1987 fiel der Zuschlag bei umgerechnet circa 140.000 Euro (280.000 DM).
• Ein Bogen mit 40 Exemplaren der ersten Briefmarke Deutschlands, dem ein Kreuzer Schwarz aus Bayern, kam nach über 90 Jahren das erste Mal wieder unter den Hammer. Auch hier bestimmt ein Versäumnis den hohen Wert, die Trennung des Bogens wurde vergessen.
• Der seltene Helgoland-Brief mit Hamburger Briefmarke von 1866 ist Zeuge der Zeit, als die Insel die kleinste Kronkolonie des Britischen Weltreiches war. 1890 übertrug das Vereinigte Königreich die Nordseeinsel an das Deutsche Reich.
• Der preußische Brief mit der sogenannten Bromberg-Halbierung, einer diagonal halbierten Briefmarke, wurde unbeanstandet befördert, obwohl die Verwendung halber Briefmarken nicht vorgesehen war. Fast eine Sensation bei der sonst sprichwörtlichen preußischen Folgsamkeit.

Außergewöhnliche Sammlung

„Wir erleben zurzeit historische Momente der Philatelie, die Auswirkungen auf die gesamte internationale Branche haben. Die Ergebnisse der dritten Auktion zeigen, dass wir momentan wirklich von außergewöhnlichen Zeiten sprechen können. Die Beschäftigung mit Briefmarken und die Philatelie, ein Hobby, das Sammler in den eigenen vier Wänden betreiben können, ist wieder in den Fokus gerückt“, sagt Karl Louis, ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter des Heinrich Köhler Auktionshauses. „Die Sammlung wurde aus dem Schrank oder vom Dachboden geholt und die Faszination Briefmarke blüht auf. Viele Sammler haben die Briefmarke auch als Investition in ein spannendes Hobby wiederentdeckt, was nicht zuletzt die Ergebnisse vom Samstag belegen.“

Die einmalige Sammlung ERIVAN umfasst viele Unikate sowie äußerst seltene Marken und Briefe, die in dieser Erhaltung kaum zu übertreffen sind. Sie ist unterteilt in Kollektionen der Sammelgebiete „Altdeutsche Staaten“, „Lokalausgaben und Private Postdienste der Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert“, „Postbeförderung mit Zeppelinen“, „Schweizer Kantonal- und Bundesmarken“, „Österreich und Lombardei-Venetien“ sowie „Raritäten aus aller Welt“. Die Unternehmen des Global Philatelic Network, Heinrich Köhler in Wiesbaden, H.R. Harmer in New York und Corinphila Auktionen in Zürich steuern die Versteigerungsserie mit rund 8.000 Auktionslosen, die zwischen 2019 und 2023 30 Briefmarkenauktionen in Wiesbaden, New York, Zürich, Stockholm und Essen umfasst.

Die nächsten Auktionen finden im Herbst 2020 statt.