(pcp-wm) Es ist wohl eher die Ausnahme, dass ein langjähriges Mitglied eines DAX-notierten Weltunternehmens sich vielfach öffentlich zur Philatelie bekennt, einem Verein des Bundes Deutscher Philatelisten angehört und auch Aussteller ist.

Die Rede ist von Prof. Büchel, bei dem all dies zu Lebzeiten zutraf. Er starb am 11. Januar 2020 im Alter von 88 Jahren.

Er gehörte dem Vorstand der Bayer AG von 1977 bis 1994 an, war u.a. der Leiter des Vorstandsausschusses „Forschung und Entwicklung“ und hatte über zwei Jahrzehnte selbst bedeutende Medikamente und Pflanzenschutzwirkstoffe entwickelt, die Weltgeltung erreichten. 1975 war er Honorarprofessor an der TH Aachen, 1989 in gleicher Funktion an der Universität Bonn. Für seine innovativen wissenschaftlichen Leistungen erhielt er 1981 die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität München und 1985 die der Universität Bielefeld.

Büchel war ein leidenschaftlicher Sammler. Mit zehn Jahren begann er zu sammeln. Er verschaffte sich schnell einen Überblick, was es da alles so gab und – anders als viele andere zu jener Zeit – faszinierte ihn Altdeutschland. Seine Vorliebe galt den Marken auf Brief. Bereits während des Zweiten Weltkrieges sammelte er u.a. Inselpost! Dabei blieb es nicht. Nach Kriegsende faszinierten ihn die diversen Lokal- und Zonenmarken. Als 14jähriger wurde er Gründungsmitglied der 1947 ins Leben gerufenen „Briefmarkenfreunde Beuel“! Ein Hamburger Rundsendedienst brachte Büchel zur Vorphilatelie, so dass er damals auch mit einer Heimatsammlung Beuel begann. Der Bazillus philatelicus hielt ihn bis zuletzt fest im Griff.

Am 22. Oktober 2016 trennte er sich von seiner über die Jahrzehnte immens gewachsenen Deutschland-Generalsammlung, die vom Auktionshaus Dr. Derichs in Köln erfolgreich versteigert wurde. Die Kollektion wurde in einem vorzüglich gestalteten Katalog mit Festeinband präsentiert. Gleiches dürfte wohl für seine letzte Sammlung gelten, denn seine Altdeutschland-Sammlung, die alle Gebiete (komplett!) auf Briefen enthält, hatte er noch zurückgehalten. Diese wird im Juni 2020 vom gleichen Auktionshaus, vertreten durch Inhaber Roland Meiners, versteigert. Den Auftrag dazu hatte er noch vor seinem Tod, am 9. November 2019, erteilt.

Seine Heimatsammlung, die er noch zuletzt betreute, ging als Stiftung an den Denkmal- und Geschichtsverein in Beuel. Dieser stellte die Kollektion am Internationalen Museumstag im Mai 2019 erstmals der Öffentlichkeit vor.

Ein anerkannter und mit höchsten Ehrungen ausgezeichneter Wissenschaftler – 1993 erhielt er den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen und war außerdem Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse – lebt nicht mehr. Privat war er ein leidenschaftlicher Philatelist und ein engagiertes Vereinsmitglied im Bund Deutscher Philatelisten. Eine außergewöhnlicher Mensch, der Geschichte geschrieben hat.

Prof. Dr. Karl-Heinz Büchel in seinem Privathaus 2016. Foto: Wolfgang MaassenRoland Meiners (links) und Prof. Büchel bei der Eröffnung einer Jubiläums-Ausstellung am 1. Juli 2016. Der Sammlerverein Beuel feierte sein 70jähriges Bestehen. Büchel, Ehrenmitglied des Vereins, war mit von der Partie.