In Abwandlung einer Bibelstelle ist man versucht zu sagen: „Du, Mecklenburg in deutschen Landen, bist keineswegs das Geringste unter den Altdeutschen Fürstentümern.“ Klein, aber fein präsentierte sich einst der Landesverband und konnte unter Federführung von Günter Theile 2006 und 2014 mit bemerkenswerten Salons und ebenso prächtigen Festschriften aufwarten. Nun feiert die Arbeitsgemeinschaft Mecklenburg ihren 70. Geburtstag – nicht viele ArGen im BDPh können auf dieses Alter zurückblicken! – und tut dies mit einer bezaubernden, äußerst reizvollen Jubiläumsschrift.

Die ArGe schaffte es, jung zu bleiben, wie Thomas Wickboldt im Vorwort betont: „Es [ist] uns gelungen, die nächste Generation heranzuführen. Die Arbeitsgemeinschaft ist heute vielleicht so lebendig wie noch nie.“ Folgerichtig ist der Blick weniger rückwärts als vielmehr „auf die Zukunft gerichtet“. Geschrieben wurde der Jubiläumsband „für unsere Mitglieder und zur Anregung potenzieller Neueinsteiger in dieses Forschungs- und Sammelgebiet“. Auch wenn nicht jeder Leser dieser Einladung Folge leisten wird – angesprochen fühlt er sich allemal! Der Band besticht durch einen verbindlichen, persönlichen, ja im besten Sinn des Wortes „familiären“ Ton.

Die „trockenen“ Daten zur Geschichte der ArGe sind bewusst knapp gehalten. Dafür wird in bunten Bildern und liebevollen Texten „Unsere mecklenburgische Heimat“ vorgestellt – eine tolle Idee, zur Nachahmung empfohlen! Dem Charme der Landschaft mit ihren unzähligen stillen Seen, lichten Buchenwäldern, verwunschenen Schlössern und versteckten Dörfern kann man sich kaum entziehen. Nichts wäre verlockender, als die Koffer zu packen und sofort loszufahren!

Danach darf man einen Blick in die unvergleichliche Sammlung von Erivan Haub werfen, wie sie 2019 bei Köhler versteigert wurde – Spitzenstücke von einmaliger Seltenheit! Es geht weiter mit einer zweiseitigen farbigen Landkarte der Großherzogthümer Mecklenburg von 1855, bevor Mitglieder Lieblingsstücke aus ihren Alben vorstellen. Hier spannt sich der Bogen von 1655, als Wismar zu Schweden gehörte, über reichlich Vorphilatelie, erlesene Frankaturen und Zierbriefe bis hin in die Kaiserzeit etwa mit einem Brief, der 1905 von Neustrelitz nach Tokio lief. Auch trifft man auf Schreiben an prominente Persönlichkeiten wie den Lexikographen und Sprachforscher Prof. Dr. Daniel Sanders oder auch an Heinrich Schliemann, der, im mecklenburgischen Neubukow geboren, nach erfolgreicher Kaufmannstätigkeit im Alter von 48 Jahren nach Kleinasien zu seinen archäologischen Ausgrabungen aufbrach, wo er schließlich Troja und Mykene entdeckte und freilegte. – Aber auch die Sammler selbst bekommen ein „Gesicht“: sie dürfen sich mit Foto und philatelistischem Lebenslauf in diesem Familienalbum vorstellen.

Vom Inhalt und von der Aufmachung her – sie trägt unverkennbar die Handschrift von André Schneider – eine unkonventionelle, jugendfrische Jubiläumsschrift von der ersten bis zur letzten Seite! Der ArGe Mecklenburg kann man zu ihrem gelungen Auftritt nur gratulieren!

Rainer von Scharpen, AIJP

64 Seiten, Format DIN A4, in Farbe, Hardcover. Koblenz: Arbeitsgemeinschaft Mecklenburg im BDPh e. V., 2020. Preis: 10 € + Versandkosten. – Bezug: Horst-Dietrich Fromm, Cottbuser Straße 7, 56075 Koblenz, Tel. 02 61/51 262, E-Mail: info@arge-mecklenburg.de, www.arge-mecklenburg.de