(wm-pcp) Die Weltausstellung URUGUAY 2025, die vom 17.–22. Februar in Punta del Este stattfand, bot sich natürlich an, ein Buch zu einer Sammlung vorzustellen, die bereits bei der HELVETIA 2022 und der THAILAND 2023 mit Großgold ausgezeichnet worden war. Die Serie „Escuditos“ war zwar nicht Uruguays erste Briefmarkenausgabe (dies waren die „Sonnenkopf“-Ausgaben, die in verschiedenen Mustern ab 1856 bis 1862 herausgegeben wurden), aber die „Escuditos“ (zu deutsch: Wappen) boten nicht weniger Reiz für forschende Spezialisten wie ihre Vorgänger. Zumal sie – genau genommen – kaum mehr als zwei Jahre (!) im Verkehr waren.

Ein Blick in den MICHEL-Katalog belehrt einen, dass einzelne Marken kaum nennenswert teuer sind. Was aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass sie Ungewöhnliches zu bieten haben und alles andere als häufig sind. Denn Uruguay hatte um 1860 gerade einmal 223.238 Einwohner! Eduardo Boido versteht es in exzellenter Weise den Reiz dieser Ausgaben (vier Werte zu 6, 8, 10 und 12c von 1864 sowie der Überdruck-Provisorien vom 1. Januar 1866 ( 5 auf 12c, 10 auf 8c, 15 auf 10c und 20 auf 6c) zu entfalten. Er spezialisiert die diversen Typen und Subtypen, präsentiert die Druckvarianten, die verschiedenen Papiere und Stempel, aber auch Fälschungen. Den traditionellen Aspekten stellt er postgeschichtliche zur Seite, wobei das Exponat durch zahlreiche größte bekannte Einheiten zu glänzen versteht. Bei der 1864er-Serie mit einem 56er-Block der 6c lachsfarben auf dickem Papier und einem 64er-Bogenteil der 8c, der größten Einheit überhaupt, die von dieser Ausgabe bekannt ist und sogar noch die tête-bêche-Paare aufweist.

Von der 1866er-Ausgabe ist ebenfalls ein 56er-Markenblock in dieser Ausnahmekollektion und zwar von der Wertstufe 20 auf 6c. Nimmt man allein diese genannten drei großen Einheiten als Beispiel, dann muss man tatächlich mehr als 80 Jahre zurückgehen, als man letztmalig in der Sammlung von A. Lichtenstein derartige Großraritäten zu sehen bekam. Was machen diese beiden Ausgaben, zumal die von 1866, so selten und schwierig? Die Antwort ist einfach. Die Überdruck-Provisorien – übrigens die ersten, die es überhaupt auf dem südamerikanischen Kontinent gab! – waren nur für 10 Tage im Umlauf. Die damalige Post hatte zwar – rechtzeitig? – in London Markennachschub bestellt, die Portoerhöhungen für den 1. Januar 1866 angekündigt, aber die Marken waren noch nicht da. Also sah man sich genötigt, diese mit den neuen Wertstufen der geänderten Portotarife zu überdrucken. Man stelle sich vor: eine Ausgabe, die nur zehn Tage im Umlauf war, denn ab 10. Januar wurden die neu gedruckten Marken mit den großen Wertziffern im Landeswappen zu 1, 5, 10, 15 und 20c verbreitet.

Boidos Exponat ist zweigeteilt: Fünf Rahmen sind der Dokumentation der 1864er-Ausgabe vorbehalten, weitere drei Rahmen der Provisorien von 1866. Was der am 29. August 1966 in Montevideo/Uruguay geborene Philatelist seit 2011 zusammengetragen hat, beeindruckt durch Qualität und Seltenheit. Seit 2000 verwaltet er die Weinberge der Familie und ist als Dozent – er hatte Chemie studiert und promoviert – in diesem Fachgebiet tätig und engagiert sich auch verbandlich, z.B. als Generalkommissar für internationale Ausstellungen. Es ist eine Freude, dieses Buch anzuschauen und die Faszination früher Briefmarkenausgaben des Landes zu erleben.

Kurzinfo: Format 25,5 x 34 cm, 152 Seiten, Kunstdruckpapier, Abbildungen in Farbe, Hardcover mit goldener Titel- und Buchrückenprägung sowie zusätzlichem Schutzumschlag, Verkaufspreis: 79 Euro zuzüglich Versandspesen. Bezug: Heinrich Köhler Auktionshaus GmbH & Co. KG, Hasengartenstraße 25, 65189 Wiesbaden, Germany, FON +49 (0) 611 34 14 90, E-Mail: info@heinrich-koehler.de

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