(AIJP-Karl Louis/pcp) Am Donnerstag vor Ostern, dem 9. April 2020, verstarb Luis Alemany nach schwerer Krankheit in Madrid. Mit Luis Alemany hat die Philatelie einen der international bedeutendsten Sammler der vergangenen Jahrzehnte für immer verlore

Das ‚philatelistische Lebenswerk‘ von Luis Alemany bestand im Aufbau von etwa 100 verschiedenen Sammlungen. Von Spanien-Klassik über Bürgerkrieg bis Fiskalmarken und Vignetten waren jede Epoche und alle Aspekte der spanischen Philatelie mit einer eigenen Sammlung vertreten. Ab dem Jahr 2000 kamen verschiedene internationale Sammelgebiete hinzu. Luis Alemany zeigte seine Sammlungen auf den Ausstellungen in aller Welt im Wettbewerb und in den Ehrenklassen. Über 120 Gross-Gold-Medaillen, davon 40 auf internationalen FIP-Ausstellungen, sowie 45 Grand-Prix Auszeichnungen, davon acht auf internationalen FIP Ausstellungen, zeugen von seiner beeindruckenden philatelistischen Lebensleistung.

Ich hatte das Glück, Luis Alemany mehrfach zu treffen und persönlich kennen zu lernen. Das geschah im Rahmen der Veröffentlichung von drei seiner Sammlungen in der Buchreihe EDITION D’OR: Die Ochsenaugen von Brasilien 1843, die Klassischen Ausgaben von Finnland 1856–1876 sowie die Postgeschichte der Niederlande 1852–1867.

In ganz besonderer Erinnerung ist mir das erste Treffen mit Luis und seinem Sohn Nacho in seinem Architektur-Büro in Madrid geblieben. Es war der 25. April 2012, der Tag nach dem Fussball-Champions-League Halbfinalspiel zwischen Borussia Dortmund und Real Madrid. Dortmund hatte nach einem fantastischen Spiel mit 4:1 gewonnen. Ich wusste, dass Luis Alemany ein ganz grosser Fan von Real Madrid war. Aus gutem Grund! Denn das Architekturbüro Alemany ist seit Generationen so etwas wie ein ‚Haus & Hof‘-Architekturbüro für Real Madrid. Nicht nur für den Fussball-Bereich, auch für alle anderen Sportarten im Königlichen Sportklub planten und realisierten Luis Alemany und sein Team Sportstätten und Trainings-Zentren. Das wohl berühmteste Projekt der Alemanys ist das in den 1940er-Jahren vom Vater geplante und erbaute Fussballstadion ‚Santiago Bernabeu‘ von Real Madrid. Für die Fussball-Weltmeisterschaft 1982 wurde es später von Luis und seinem Team ausgebaut und umfangreich modernisiert. Das Santiago Bernabeu Stadion ist heute neben Wembley in London und dem Maracanã in Rio de Janeiro das berühmteste Fussballstadion der Welt.

So stand ich dann am nächsten Morgen nach dem Fussballspiel mit meinen Begleitern Dieter Michelson und Dolmetscher Ulrich Dorf vor Luis. Wir diskutierten das Fussballspiel, ich erzählte stolz von meinem bescheidenen Borussia Dortmund Aktienbesitz, Luis von ‚seinem‘ Stadion. Wir lachten beide! Dann das Thema Philatelie. Ich erwähnte, dass ich privat eine Sammlung mit klassischen spanischen Briefmarken besitze. Die Postgeschichte der kleinen spanischen Hafenstadt Denia am Mittelmeer. Und zu meiner Überraschung stellte sich heraus, dass Luis ebenfalls eine ‚Heimatsammlung‘ Denia hatte! Aber was für eine fantastische Sammlung! Es stellte sich heraus, dass wir beide eine Ferien-Immobilie in Denia hatten. Ich eine kleine, er eine deutlich grössere! Ohne voneinander zu wissen hatten wir beide deshalb eine Kollektion ‚Denia Postgeschichte‘ begonnen. Wie die Immobilie, so war auch die ‚Denia-Postgeschichte‘ Sammlung von Luis viel bedeutender als meine! Später stellte sich heraus, dass unsere Immobilien in Denia nur etwa 150 Meter Luftlinie auseinander lagen. Kleine Welt!

Besonders beeindruckt hat mich, wie stark die Familie das Hobby der Philatelie von Luis Alemany unterstützte. Mit zunehmendem Alter wurde das Reisen beschwerlicher. Aber sein Sohn Nacho begleitete seinen Vater Luis zu den Ausstellungen in aller Welt. Wir trafen Luis und Nacho in Monaco, London, aber auch in Rio de Janeiro und in Jakarta. Luis und sein Sohn Nacho waren immer dabei, wenn seine EDITION D’OR-Bücher präsentiert wurden.

Wo immer in der Welt der Philatelie der Name Luis Alemany fiel, er hatte überall Freunde. In Argentinien und Brasilien ebenso wie in Kolumbien oder in vielen Ländern Europas. Alle sprachen voller Zuneigung und Bewunderung über den immer freundlichen Sammler aus Madrid, der seine Faszination für die Philatelie mit so vielen Menschen teilte. Als Sammler und Aussteller gehörte er zweifelsohne weltweit zur absoluten Spitzenklasse. Dennoch begegnete er jedem Gesprächspartner – in der Philatelie wie auch im wahren Leben – stets auf Augenhöhe, immer bescheiden und interessiert, was ihn noch sympathischer machte.

Im Jahr 2013 durften wir bei Corinphila die Sammlung ‚Brasilien – Ochsenaugen 1843‘ in Zürich versteigern. Es war eine denkwürdige Auktion. Das Spitzenstück, der einzige komplett erhalten gebliebene Schalterbogen der 60 Reis Briefmarke, erzielte 600‘000 Schweizer Franken Zuschlag! 2015 vermittelte Corinphila die vollständige Sammlung ‚Finnland Klassik‘ ausserhalb der Auktion an einen Sammler in Skandinavien. Enthalten war der spektakulärste Brief der Finnland-Philatelie: 4 Paare der ersten Briefmarke von 1856, 5 Kopeken blau auf Brief nach Lübeck aus der Sammlung Faberge! Bald darauf durften wir bei Corinphila seine unvergleichliche Sammlung der Postgeschichte Niederlande in unserer Auktion bei Amsterdam in den Niederlanden in drei Teilen versteigern.

Mit Luis Alemany hat die Philatelie einen der ganz grossen Sammler für immer verloren. Ich werde ihn vermissen. Luis wird einen Platz ganz weit oben im Geschichtsbuch der Philatelie einnehmen. Mit den EDITION D’OR Büchern sind zumindest einige seiner grossartigen Kollektionen für die Nachwelt und zukünftige Sammler-Generationen überliefert.

Luis Alemany bei einer Übergabe seiner EDITION D’OR-Bücher 

Brasilien, 60 Reis-Bogen

Finnland, Fabrergé